Weshalb ich mein Depot bei Trade Republic kündige

Von Natur aus probiere ich gerne neue Dinge aus. Und als Trade Republic in Deutschland zu sehr attraktiven Konditionen an den Start ging, habe ich im Februar 2020 ein Zweitdepot eröffnet.
Genau 1 Jahr später habe ich die Kündigung des Depots und den Depotübertrag in Auftrag gegeben.

Was bietet Trade Republic?

Trade Republic ist ein sogenannter Neobroker, der sich durch ein innovatives Konzept und äußerst niedrigen Preisen auszeichnet. Handelsplatz ist LS Exchange. Die Kursqualität und die Spreads werden überwacht und orientieren sich in der Handelszeit von 09:00 Uhr bis 17:30 Uhr am Referenzmarkt XETRA.

Das Preis- und Leistungsverzeichnis (Stand: 03.02.2021) passt übersichtlich auf eine Seite. Sowohl Depotführung, als auch Ordergebühren sind kostenlos. Es fällt nur eine Fremdkostenpauschale in Höhe von 1 EUR für die jeweilige Transaktion an. Bei Sparplänen entfällt diese sogar.
Folglich lassen sich ETFs und Aktien bei Trade Republic zum Nullpreis über einen Sparplan kaufen. Beim Verkauf oder Kauf jenseits von Sparplänen fallen dann nur 1 EUR Transaktionskosten an.

Für Einkommensinvestoren ist zudem interressant, dass Dividenden und Ausschüttungen aus ETFs ebenfalls kostenfrei erfolgen.

Was sind die Nachteile bei Trade Republic?

Da ich überzeugter ETF-Investor bin, der möglichst breit Aktien und Renten in einem Weltportfolio abbildet, habe ich mir damals nur testweise ein paar US-Aktien über Trade Republic gekauft.

Bei US-Werten gilt es zu beachten, dass die Spreads, also die Preisdifferenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs, am Nachmittag am geringsten sind. Dies hängt damit zusammen, dass nach der Eröffnung der US-Börsen der Markt für US-Werte liquider ist. Allerdings bleiben bei Nebenwerten am US-Markt die Spreads auch nach der Öffnung der US-Börsen teilweise größer 1%.
Sowohl der Kauf als auch der spätere Verkauf der Aktien hatte damals reibungslos funktioniert und die Dividenden wurden bei Fälligkeit gutgeschrieben.

Was mir damals schon nicht gefallen hat, war die ausschließliche Abwicklung aller Orders per App. Vielleicht bin ich zu altmodisch, aber ich fühle mich wohler, wenn ich eine Börsenorder in Ruhe an einem ausreichend großen Bildschirm ausführen kann.

Weiterhin habe ich meine Transaktionsbestätigungen, Depotauszüge, etc. gerne direkt am Rechner verfügbar. Auch hier haben alle mir bekannten Broker die Nase vorn, denn bei Trade Republic muss ich diese umständlich aus der App auf meinen Cloudserver exportieren und von da aus (digital) archivieren.

Weshalb Trade Republic bei mir nicht über den Status eines Zweitdepots hinauskam, war die eingeschränkte Auswahl an ETFs. Trade Republic bietet nämlich nur ETFs von iShares (BlackRock) an.
Obwohl BlackRock Marktführer bei ETFs ist und sich deshalb für jeden der passende ETF finden sollte, mißfällt mir diese Einschränkung.

So gibt es eben ETFs bei anderen Emittenten, die entweder den gleichen Index zu einem geringen Preis oder eben auch andere Indices und Schwerpunkte abbilden.
Durch die Einschränkung auf einzig und allein iShares kann eben keine Diversifikation auf unterschiedliche Emittenten stattfinden und das ETF-Universum wird unnötig eingeschränkt.

Wie kam es zur Kündigung meines Depots?

Die soeben beschriebenen Nachteile sind natürlich subjektiv. Es wird sicherlich zahlreiche Investoren geben, denen der Handel über eine App mit den beschriebenen Einschränkungen völlig ausreicht. Deshalb war es für mich auch kein Grund, das Depot bei Trade Republic zu kündigen. Sondern ich habe es als Zweitdepot weiterlaufen lassen.

Ausschlaggebend für meine Depotkündigung war das Aussetzen des Handels der Aktien von GameStop oder AMC am vergangenen Donnerstag im möglichen Zusammenhang mit den Aktivitäten der WallStreetBets.
Trade Republic erklärte, dass der Handelsplatz Lang & Schwarz Exchange in wesentlichen Teilen ausgefallen und selbst durch ein Ausweichen auf den Handelsplatz Tradegate Exchange keine nachhaltige Abhilfe möglich gewesen sei.
Aufgrund des hohen Ordervolumens wurde der Handel kurzfristig gestoppt, ehe er am Nachmittag wieder aufgenommen wurde. Nachdem kurz darauf für jene betroffenen Aktien mehrere Tausend Orders pro Minute platziert und ausgeführt wurden, hatte sich Trade Repubic dazu entschieden, nach XETRA Handelsschluss um 17:30 Uhr den Handel für die 6 betroffenen Titel (u.a. GameStop, AMC) auszusetzen, um die Serverlast zu reduzieren. Dies sollte den weiteren Betrieb der Server und des Handelsplatzes für die übrigen Kunden sicherstellen.

Am Freitag Morgen wurde der Handel für alle Titel wieder aufgenommen, nachdem die System-Ressourcen über Nacht erhöht wurden.
Weiterhin erklärte Trade Republic, dass der Grund des Handelsstopps weder auf Probleme mit Wertpapierleihe oder auf fehlende Liquidität für ein Clearing zurückzuführen sind. Beides findet nämlich bei Trade Repubic keinerlei Anwendung.

Obwohl ich keinerlei Interesse am Handel mit den genannten Aktien hatte, finde ich es mehr als befremdlich, wenn ein Broker, der nur einen Handelsplatz anbietet, den Handel nach eigenem Ermessen für ausgewählte Titel aussetzt. Und genau dies ist der Grund, weshalb ich mein Trade Republic Depot nun auflöse.

Schließlich trage ich bereits ausreichend Risiken beim Handel mit Aktien und ETFs. Dieses Risiko kann ich jedoch selbst steuern, indem ich breit auf unterschiedliche Assetklassen diversifiziere.

Aber ich bin nicht bereit ein zusätzliches Risiko bei der Wahl des falschen Brokers einzugehen.

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Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Bildung und der persönlichen Unterhaltung. Er stellt weder eine Rechts-, Anlage- oder Steuerberatung oder eine Aufforderung zum Kauf / Verkauf der erwähnten Finanzinstrumente (Wertpapiere, ETFs, etc.) dar.
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