Die zweite Corona-Welle: Kommt der nächste Crash?

Die zweite Corona-Welle hat Europa voll im Griff. In Deutschland wird es ab nächste Woche einen sogenannten Freizeit-Lockdown geben. Alle privaten Aktivitäten, die quasi nicht lebensnotwendig sind, werden drastisch eingeschränkt, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten. Zumindest die Wirtschaft soll, im Vergleich zu den Einschränkungen im Frühjahr, weiterlaufen.
Dennoch bewegen sich die Börsenkurse seit einigen Tagen südwärts. So verlor der Dax seit dem Zwischenhoch vom 15. September 2020 rd. 13% und der aktuelle Ausverkauf scheint noch nicht zu Ende zu sein. In den (sozialen) Medien geht schon wieder die Angst vor dem nächsten Crash um.

Soll ich jetzt meine Aktien verkaufen oder meine Aktienquote reduzieren?

Um diese Frage beantworten zu können, hilft ein Blick in den Rückspiegel. Denn der Corona-Crash im Frühjahr zeigte, dass der MSCI World mehr als 30% und ein diversifiziertes Portfolio mit einem Aktienanteil von 60 Prozent rund 20% verlor.
Würden sich die Märkte in der zweite Corona Welle genauso wie während der ersten Welle entwickeln, dann wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, das Portfolio in Sicherheit zu bringen.

Allerdings kann diese Strategie auch ganz schnell nach hinten los gehen, denn nichts ist so unsicher, wie Prognosen für die Zukunft.
So haben sich während der ersten Corona-Welle die Aktienkurse nach den herben Verlusten sehr schnell wieder erholt. Wer während der Abwärtsbewegung aus dem Markt ausgestiegen ist und dann den Wiedereinstieg verpasst hat, musste hohe Verluste hinnehmen.
Ein prominentes Beispiel für “schlechtes” Market-Timing während einer V-förmigen Entwicklung an den Aktienmärkten ist nun Scalable Capital. Laut Brokervergleich Echtgeldtest liegt das Scalable Portfolio im Zeitraum 20.02.2020 bis 19.10.2020 mit 19,5% im Minus. Die Konkurrenz hat in diesem Zeitraum jedoch nur zwischen zwischen drei und sieben Prozent eingebüßt.

Blicken wir noch etwas weiter zurück. Nämlich auf die Entwicklung des amerikanischen S&P 500 Aktienindex der letzten knapp 100 Jahre.
Trotz aller Krisen und Kriege, die sich seit 1927 ereignet hatten, hat der amerikanische Aktienmarkt im historischen Mittel rund 5,7% pro Jahr zugelegt. Im annähernd gleichen Zeitraum (1929-20201,2) hat sich das BIP in den USA um ca. 5,9% pro Jahr erhöht. Es ist also offensichtlich, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Börsenkursen auf lange Sicht besteht.

Wer also als langfristiger Investor in einem gut diversifizierten Portfolio investiert ist, sollte in der aktuellen Situation nicht in Panik geraten und Aktien oder ETFs verkaufen. Es sei denn, Sie gehen davon aus, dass die Wirtschaft durch das Corona-Virus einen irreparablen hohen Schaden erleidet, der langfristiges Wirtschaftswachstum verhindert.
Auch eine Reduzierung der Aktienquote halte ich persönlich für nicht sinnvoll. Denn es ist beinahe unmöglich, den richtigen Zeitpunkt zu finden, um diese wieder zu erhöhen.

Was sollte ich stattdessen machen?

Falls Sie eine Investmentstrategie haben, dann halten Sie an dieser fest. Falls nicht, dann ist es jetzt an der Zeit diese definieren. Gerade die Erfahrungen aus der Marktentwicklung der ersten Corona-Welle können Ihnen einen guten Aufschluss darüber geben, ob beispielsweise Ihre Aktienquote zu Ihrem Risikoprofil passt.
Eine Hilfestellung finden Sie dazu auch in diesem Artikel.

Gerade in Zeiten größerer Kursbewegungen empfehle ich, durch regelmäßiges Rebalancing Ihre ursprünglich festgelegte Gewichtung im Portfolio wiederherzustellen. Dadurch erzielen Sie langfristig eine höhere Rendite bei gleichem Risiko. Und nebenbei verhalten Sie sich damit perfekt antizyklisch. In der jetzigen Marksituation würden Sie beispielsweise Anleihen verkaufen und Aktien zu geringeren Kursen nachkaufen. Noch besser wäre es, die Gewichtung im Portfolio durch eine Anpassung der monatlichen Sparrate wiederherzustellen.
Behalten Sie auf jeden Fall die Transaktionskosten und Steuern im Blick. Denn zu viel Handelsaktivität kann auch Performance kosten.

Und so banal es auch klingen mag… Konzentrieren Sie sich auf Dinge, die in Ihrem Einflussbereich liegen. Die Kursentwicklung und den globalen Verlauf der Corona-Pandemie können Sie nicht verändern.
Bleiben Sie deshalb gesund und blicken Sie optimistisch in die Zukunft.

Take-aways

  • Langfristige Investoren sollten in turbulenten Marktphase Ruhe bewahren und an Ihrer Strategie festhalten.
  • Die Aktienmärkte sind eng mit der wirtschaftlichen Entwicklung gekoppelt. Manchmal nimmt die Börse wirtschaftliche Entwicklungen vorweg, manchmal hinkt sie hinterher. Aber beiden laufen in die gleiche Richtung. (Frei nach Andrè Kostolany)
  • Wer davon überzeugt ist, dass sich die weltweite Wirtschaft auch künftig langfristig positiv weiter entwickelt, hat mit Aktien oder ETFs das perfekte Instrument, um an dieser Entwicklung teilzuhaben.
  • Zwar gibt es hierfür keine Garantie, aber die Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es selbst nach den denkbar schlimmsten Ereignissen, wie der Weltwirtschaftskrise oder dem 2. Weltkrieg wirtschaftlich wieder bergauf ging.
  • Wieso soll die Corona-Krise nicht nur eine kurze Episode in der Geschichte sein …?

Sämtliche Inhalte wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und dargestellt. Eine Haftung für deren Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Genauigkeit wird ausgeschlossen. Kursentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen.
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Bildung und der persönlichen Unterhaltung. Er stellt weder eine Rechts-, Anlage- oder Steuerberatung oder eine Aufforderung zum Kauf / Verkauf der erwähnten Finanzinstrumente (Wertpapiere, ETFs, etc.) dar.
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Letzte Aktualisierung: Erstausgabe


1 Wirtschaftswachstum der USA: Bruttoinlandsprodukt von 1929 bis 2010. Zugriff: 29.10.2020. http://www.pdwb.de/nd23_2011.htm

2 IMF. (2020). USA: Bruttoinlandsprodukt (BIP) in jeweiligen Preisen von 1980 bis 2018 und Prognosen bis 2024 (in Milliarden US-Dollar)Statista. Statista GmbH. Zugriff: 29. Oktober 2020. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/14418/umfrage/bruttoinlandsprodukt-in-den-usa/

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